Preisträger Stipendienpreise 2002

Im feierlichen Rahmen des Aktienforums fand am 2. Dezember die Verleihung des IVA-Stipendienpreises 2002 statt. Der erste Preis wurde geteilt und ging mit je 1.000 Euro an Bernd Terlitza („Berücksichtigung von Anteilseignerinteressen bei Teilfusionen“) und Johannes Zollner („Kontrollwechsel und Kontrollerlangung im Übernahmegesetz“). Anerkennungspreise erhielten Thomas Haberer („Auswirkungen der internationalen Corporate Governance Diskussion auf das österreichische Aktienrecht“) und Gugler/Mueller/Yortoglu („Corporate Governance, Capital Market Discipline and the Returns on Investment“). Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:

  • Dr. Susanne Kalss (Uni Klagenfurt)
  • Dr. Alfred Wagenhofer (Uni Graz)
  • Dr. Hellmut Longin (Aktienforum)
  • Dr. Richard Schenz (Regierungsbeauftragter für den Kapitalmarkt)
  • Dr. Michael Knap (Vizepräsident IVA)

Nachfolgend die Kurzfassungen der ausgezeichneten Arbeiten Autor: Bernd Terlitza Titel: „Berücksichtigung von Anteilseignerinteressen bei Teilfusionen“ Umfang: 355 Seiten Wesentlicher Teil der Arbeit ist die Untersuchung der Berücksichtigung der Anteilseignerinteressen bei Spaltungen. Es wurde herausgearbeitet, dass die Spaltung zur Aufnahme neben der verschmelzenden Umwandlung das vom österreichischen Gesetzgeber den Mehrheitsgesellschaftern ermöglichte Umgründungsinstrument darstellt, um einen Squeeze-out durchzuführen. Speziell wurde die bestehende Rechtslage in Österreich interpretiert und versucht Harmonisierungen innerhalb des Umgründungs-, Spaltungs- und Verschmelzungsrechtsrechts herbeizuführen. Es wurden konkrete Punkte herausgearbeitet, die der Gesetzgeber verbessern soll.
Relevante Ergebnisse für den Anlegerschutz:

  • Dem Gesetzgeber wird durch eine schlüssige Argumentation nahegelegt, die nicht rechtzufertigende Benachteiligung der Anleger bei einem Squeeze-Out im Spaltungsrecht zu beseitigen, weil ihnen bei derzeitiger Rechtslage das Überprüfungsrecht auf Angemessenheit des Barabfindungsanspruches genommen wird. Wegen Missachtung des Gleichheitsgebotes ist die bestehende Regelung verfassungswidrig.
  • Auch bei einer verhältniswahrenden Spaltung sollte die Überprüfung des Umtauschverhältnisses auf Antrag eines Gesellschafters erlaubt sein, dies deswegen, weil auch das Beteiligungsverhältnis zwischen Gesellschaftern der übertragenden und der übernehmenden Gesellschaft ein überprüfungsbedürftiges Umtauschverhältnis darstellt. Vorgeschlagen wird eine Harmonisierung durch Analogie zu den verschmelzungsrechtlichen Bestimmungen.
  • Ein Auskunftsrecht über alle wesentlichen Angelegenheiten der anderen beteiligten Gesellschaften sei den Aktionären bei Spaltungen ebenfalls im Wege der Analogie zu gewähren.
Autor: Johannes Zollner Titel: „Kontrollwechsel und Kontrollerlangung im Übernahmegesetz“ Umfang: 283 Seiten Der Autor kommentiert in seiner Dissertation das Übernahmegesetz im wesentlichen zu den Punkten Kontrollwechsel und Kontrollerlangung. Es wird der Zweck des Gesetzes für die Steigerung der Attraktivität des heimischen Kapitalmarktes untermauert.
Relevante Ergebnisse für den Anlegerschutz:
Der Kontrolltatbestand stellt die zentrale Bestimmung des Übernahmerechts dar. Deren Beurteilung entscheidet über die Pflicht zur Abgabe des Angebots und der Anwendung der übernahmerechtlichen Schutzvorschriften, die den Anlegern insgesamt, vor allem aber in Konzernsituationen dienen. Autoren: Klaus Gugler, Dennis C. Mueller and B. Burcin Yurtoglu Titel: „Corporate Governance, Capital Market Discipline and the Returns on Investment” Umfang: 53 Seiten Basierend auf der Arbeit von Shleifer und Vishny, die festgestellt haben, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Anlegerschutz und Entwicklungsstand des Kapitalmarkts besteht, wurden die Auswirkungen der verschieden Rechtssysteme und Aktionärsstrukturen auf die Kapitalmärkte untersucht.
Relevante Ergebnisse für den Anlegerschutz:
Der Anlegerschutz ist in jenen Staaten am höchsten, welche dem Common Law System (wie in USA, Großbritannien) folgen. Entwickelter Anlegerschutz steigert die Anlagebereitschaft. Entwickelter Anlegerschutz wirkt der Konzentration von Gesellschaftsanteilen entgegen. Strukturen mit dominanten Aktionären sind uninteressant für Kleinanleger. Autor: Thomas Haberer Titel:„Auswirkungen der internationalen Corporate Governance Diskussion auf das österreichische Aktienrecht“ Umfang: 358 Seiten Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Tendenzen der internationalen Corporate Governance Diskussion und ihre Auswirkungen auf das österreichische Aktienrecht. Ausgangspunkt der Überlegung ist das Principal-Agent-Problem (Trennung von Eigentum und Entscheidungsmacht). Anhand einer Studie von Shleifer und Vishny erklärt der Autor die Besserstellung des Anlegerschutzes in den Common Law Staaten (wie USA, Großbritannien) im Gegensatz zu den Civil Law Staaten (wie Frankreich, Belgien) mit der Konsequenz eines dort leistungsfähigeren Kapitalmarkts. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist dem Kommentar des damals noch im Entwurf stehenden Austrian Corporate Governance Code gewidmet.
Relevante Ergebnisse für den Anlegerschutz:
  • Corporate Governance und damit auch der Anlegerschutz sind in Common Law Staaten besser entwickelt.
  • Da eine Harmonisierung der Rechtssysteme zu schwierig ist, wird eine Annäherung der Corporate Governance Codes unter Berücksichtigung der nationalen Eigenheiten empfohlen.
  • Eine Selbstverpflichtung zu den Codes of Governance ist der gesetzlichen Regelung vorzuziehen. Die Empfehlung eine solche im Geschäftsbericht näher darzustellen wurde im Code festgelegt, eine gesetzliche Verankerung steht noch aus. Darüber hinaus würden wesentliche Inhalte des Corporate Governance durch den Markt selbst geregelt werden.
Der IVA gratuliert allen Preisträgern und wird sich bemühen, auch für das nächste Jahr einen Award für Anlegerschutz und Corporate Governance auszuschreiben.

 

Datum: 02.12.2002 Autor: IVA-Redaktion
 Seitenanfang  Drucken  Versenden


Newsletter

Aktuelle News direkt in Ihr Postfach (Erscheint 12x jährlich)

Schwerpunktfragen

Die Fragen und Antworten der aktuellen HV-Saison

Bibliothek

Buchempfehlungen in Zusammen- arbeit mit dem Linde-Verlag

Börsen-Kurier

Abonnieren und automatisch IVA-Mitglied werden
IVA - Austrian Shareholder Association | 1130 Wien, Feldmühlgasse 22 | Impressum | Update: 19.07.2017