Rasinger: 2018 - das Jahr der Änderungen

Noch sind die Aktionäre des Wiener Marktes in bester Stimmung, weil das Jahr 2017 so wunderbar gelaufen ist. Jeder weiß, dass es nicht so weitergehen kann und früher oder später mit einer Abflachung oder mit einem Rückschlag zu rechnen ist. Nicht vorhersehbare Ereignisse der internationalen Politik sind oft der Auslöser für eine Trendwende.

Die Regulatoren freuen sich über die Einführung von MiFID ll, das trotz aller gut gemeinten Absichten zur einer Entmündigung der privaten Anleger führt. Die Situation ist vergleichbar mit Bemühungen Verkehrsunfälle zu reduzieren, indem für PKW-Fahrer rigide Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt werden, Dokumentation und Freigabe der beabsichtigten Fahrstrecken verordnet sind und es überall Hinweise gibt, doch sicherheitshalber besser Taxis auf eigene Kosten zu benützen. Anleger wie Finanzberater, so weit es diese noch gibt und sie nicht schon eine andere Aufgabe gesucht haben, sind verunsichert und stöhnen unter der zusätzlichen Bürokratie. Eines scheint gewiss: große Anlegerskandale wie Meinl European Land, AvW oder Schifffahrtsfonds wird es kaum noch geben - aber vernünftige Veranlagungen in heimische Unternehmen werden sehr erschwert.

Das Gesellschafterausschlussgesetz ist, wie im Rahmen des IVA-Workshops von allen Teilnehmern mit unterschiedlicher Interessenslage betont wurde, dringend reformbedürftig. Es darf nicht zu einer Verschlechterung für langfristig treue Aktionäre kommen, die enteignet werden, sondern es soll neutral und unabhängig sowie zügig und mit geringeren Kosten als bisher eine faire, angemessene Abfindung ermittelt werden.

Die seit kurzem geltenden, einfachen Regelungen für ein De-Listing wurden von Pankl bereits  genutzt. Es gibt weitere potentielle Kandidaten, die angesichts eines geringen Streubesitzes eine Chance sehen, vor allem den unangenehmen und bisweilen teuren Verpflichtungen einer Börsenotiz zu entkommen.

Die Hauptversammlung alten Stils, die durch die teilweise schrullige und nebensächliche Ausnützung des Fragerechts fünf, sechs und mehr Stunden dauert, ist in Zeiten des Internets zu hinterfragen.

Erstmalig ist heuer auch die Frauenquote anzuwenden. Somit werden neue weibliche Persönlichkeiten für Aufsichtsräte vorgeschlagen werden. Leider für manche Unternehmen ein Grund, den Weg an die Börse zu meiden bzw. diese zu verlassen.

Der IVA wird sich weiterhin in die einschlägigen Fachdiskussionen einbringen und hofft, dass er  bei der  Vielzahl neuer Personen in der Politik mehr Gehör findet als die in praktischen Fragen des Kapitalmarkts weitgehend unerfahrenen Vertreter der Sozialpartner und Experten der Theorie.

Seit neunzehn Jahren ist die Führung des IVA unverändert. Wir denken derzeit intensiv darüber nach, wie unter den geänderten Rahmenbedingungen der Anlegerschutz und die Interessen der Privataktionäre heimischer Unternehmen, den neuen Zeiten angepasst, vertreten werden können

Datum: 10.01.2018 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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