Rasinger: Plädoyer für die Vorzugsaktie

Nach dem Abgang von MIBA und Schlumberger gibt es an der Wiener Börse nur mehr Vorzugsaktien folgender Gesellschaften:

Oberbank, BTV, BKS, Gurktaler und Ottakringer. Eigentlich schade, denn vor allem für KMU ist diese Aktienkategorie interessant. Der Vorzugsaktionär hat in der Regel kein Stimmrecht und kann somit auf die Geschäftsführung keinen direkten Einfluss ausüben, weil Aufsichtsrat und die Gewinnverteilung nur durch die Stammaktionäre bestimmt werden. Als Kompensation hat der Vorzugsaktionär eine Besserstellung bei der Dividende. An der Börse wird zumeist die Vorzugsaktie schlechter bewertet als die Stammaktie, weil sie bei einer Übernahme oder beim Aufbau einer qualifizierten Minderheit uninteressant ist. Aber beim Ertrag und bei der Substanz ist sie der Stammaktie gleichgestellt. Bei der üblichen Unternehmensbewertung nach der DCF (Discounted Cash Flow)-Methode ist keine Differenzierung gegenüber der Stammaktie gerechtfertigt.

Die Vorzugsaktie ist vor allem für KMU überlegenswert. Der familiäre Kernaktionär hat weiterhin das Sagen in der Gesellschaft und muss nicht befürchten, durch aktivistische Aktionäre unter Druck gesetzt zu werden.

Feed back und Kontrolle sind wichtig: daher sollte dem Vorzugsaktionär das Recht eingeräumt werden, ein Votum bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat abzugeben und die Wahl des Abschlussprüfers, eines neutralen Garants für die Ordnungsmäßigkeit des präsentierten Jahresabschlusses, mitbestimmen zu können. Dazu wäre die Novellierung des Aktiengesetzes notwendig.

Andere Instrumente wie nachrangiges Darlehen oder stille Beteiligung können nicht an der Börse sinnvoll notiert werden. Daher wäre die Vorzugsaktien für börsewillige KMUs die einzige, sinnvolle Möglichkeit.

Datum: 04.09.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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