Rasinger über Fairness

Der Begriff Fairness ist auch in der Welt der Aktien weitgehend positiv besetzt. Je nach Position und Interessenslage ergeben sich für die Betroffenen unterschiedliche Sichtweisen, die sich selten vollständig decken. Durch Gespräche und Verhandlungen können Annäherungen erreicht werden. Streubesitzaktionäre wollen vom dominanten Mehrheitseigentümer und vom Vorstand fair behandelt werden, d.h. sie wollen nicht als „nützliche Idioten" behandelt werden, die dankbar sein sollen, dass sie beteiligt sein dürfen, sondern sie wollen ausreichend informiert sein und einen ihnen zustehenden Anteil am Erfolg des Unternehmens haben. Zur Fairness gehört aber auch, dass Erfolge mit Dank und Anerkennung zur Kenntnis genommen werden.

 

Investmentbanken und Berater haben das Thema Fairness zu einem attraktiven Geschäftsmodell entwickelt. Zur Absicherung des Vorstands und des Aufsichtsrats wird oft eine 'Fairness opinion" eingeholt. Klingt wunderbar, kostet viel, bringt den Adressaten, den Aktionären, aber wenig bis gar nichts. In den seltensten Fällen werden diese Stellungnahmen veröffentlicht. Die Formulierungen sind vage, wenig aussagekräftig, vorsichtig, da keine wie immer geartete Haftung für die Aussagen übernommen wird. Was fair ist, bestimmt letztendlich der Auftraggeber und Zahler. Fairness entsteht nicht durch bezahlte Meinungsäußerungen, die einseitig einen Standpunkt gewichten, sondern durch unvoreingenommene, unabhängige Analyse der relevanten Einflussfaktoren.

Datum: 05.06.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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