Rasinger über Aktionärs-Demokratie

Auf Grund einer günstigen Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahrzehnten, von der alle Gesellschaftsschichten zwar unterschiedlich, aber trotzdem spürbar profitiert haben, sind viele Menschen in der Lage, einen signifikanten Teil ihres Einkommens für spätere Ziele (wie Unterstützung der Nachkommen, Zweitwohnsitz, Reisen) bzw. persönliche Notwendigkeiten (wie Alter, Krankheit, Pflege) zurückzulegen. Dies ist auch ein Erfolg der gewerkschaftlichen Lohnpolitik.

Langfristig sinnvoll ist es, in Realwerten zu veranlagen, d.h. in Immobilien oder in Unternehmensbeteiligungen bzw. Aktien. Dabei sind inzwischen allgemein bekannte Grundsätze wie etwa Risikostreuung zu beachten. Ohne Basiswissen, wobei der gesunde Hausverstand sehr viel weiter hilft, geht es jedoch nicht. Es besteht keine Notwendigkeit, den Ratschlägen diverser Experten blind zu folgen. Denn die mögen zwar Erfahrungen aus der Vergangenheit einbringen, aber über die zukünftigen Entwicklungen können sie nur spekulieren.

Während Besitzer von Sparbüchern, Anleihen oder Wertpapierfonds weitgehend passiv zur Kenntnis nehmen müssen, was mit ihrem Geld geschieht, gibt das Aktienrecht den geringfügig Beteiligten (Minderheitsaktionären) wichtige Informationsrechte und spezielle Einflussmöglichkeiten. Die einmal jährlich stattfindende Hauptversammlung gibt kleinen wie großen Aktionären die Gelegenheit, den Vorstand intensiv zu befragen und durch ihr Stimmverhalten bei der Entlastung der Organmitglieder (Aufsichtsrat, Vorstand) Anerkennung oder Unzufriedenheit auszudrücken.

Wenn Rechte nicht genutzt werden, besteht über kurz oder lang die Gefahr, dass sie eingeschränkt oder sogar abgeschafft werden. Genauso problematisch ist eine überzogene, nicht angemessene, querulatorische Ausnützung von Rechten, indem zum Beispiel das Fragerecht der Aktionäre für Nebensächlichkeiten, persönliche Gehässigkeiten, Konsumentenkritik oder schrullige Beiträge missbraucht wird. Solche Vorkommnisse verlängern die Hauptversammlungen unnötig und verursachen vermeidbare Kosten, sollten aber dennoch kein Argument für den Gesetzgeber sein, die Minderheitenrechte einzuschränken – wie dies da und dort angedacht werden mag.

 

Datum: 29.05.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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