Rasinger zu Vorstandsbesetzungen

Eine der wichtigsten, aber auch heikelsten Aufgaben des Aufsichtsrates ist die Auswahl der Vorstandsmitglieder. Besonders wichtig ist der Vorstandsvorsitzende – derzeit neudeutsch nur mehr als CEO abgekürzt. Es geht darum ein arbeitsfähiges Team zusammenzustellen. Die große Frage, die sich immer wieder stellt, ist, ob die Besetzung unternehmensintern erfolgen soll bzw. kann oder eine externe Besetzung besser ist. Es gibt Persönlichkeiten, die sich beim Präsentieren („Vorsingen“) vor dem Aufsichtsrat als sehr geschickt erweisen und oft auch blenden. Ärgerlich ist es aber auch, wenn ein Kernaktionär über den Aufsichtsrat hinweg die Fäden zieht und versucht, den Vorstand zu gängeln. Der Vorstand hat das Unternehmen im Interesse aller Aktionäre zu führen. Bei einigen Unternehmen kommt es zu häufig zu einem Wechsel, der nicht unbedingt durch mangelnde Leistung zu begründen ist.

 

Ein negatives Beispiel sind die häufigen und extrem kostenintensiven Wechsel im Vorstand der RHI. Das Unternehmen ist insofern beeindruckend robust, als es nach dem USA-Fiasko auch noch diese teuren Vorstandswechsel, zumindest bisher, wirtschaftlich ausgehalten hat. Wenn es Kernaktionäre gibt, denen die Auswechslung von Vorständen ein „Anliegen“ ist, müssen sich die Aufsichtsräte immer die Frage stellen, ob dabei vielleicht Partikularinteressen dahinter stecken - sonst könnte der Eindruck entstehen, dass die Aufsichtsräte bloss sehr gut bezahlte Hampelmänner seien. Bei der RHI ist bemerkenswert, dass der Aufsichtsrat, der zur Hälfte aus bekannten sozialdemokratischen Persönlichkeiten wie Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, Herbert Cordt, Wolfgang Ruttenstorfer und Helmut Draxler besteht, ziemlich abgehoben agiert.

Die Mitarbeiter haben sich Chefs verdient, die eine Vorbildfunktion erfüllen, nebstbei ein wichtiger Beitrag zu einem glaubwürdigen Managementstil. Die Betriebsräte sollten sich bei diesen Entscheidungen mit ihrer Meinung einbringen. Nachhaltigkeit ist bei der Besetzung von Top-Positionen jedenfalls gefragt.

Datum: 15.05.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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