Rasinger zu UniCredit: Rettung vorerst geglückt

Mit sichtbarer Freude wurde kommuniziert, dass die Mega-Kapitalerhöhung der UniCredit von 13 Milliarden Euro breit gestreut bei internationalen Investoren, vor allem aus dem arabischen Raum, erfolgreich platziert werden konnte. Damit können die Wertberichtigungen des Jahres 2016 von fast 10 Milliarden Euro verkraftet werden. Es gibt jedoch nach wie vor große Unsicherheiten, ob der Bankkonzern in dem derzeit schwierigen Umfeld seinen Aktionären Freude machen wird.

Österreich ist wegen der UniCredit-Tochter Bank Austria davon betroffen. Im Jahre 2000 fand die Übernahme durch die damals stark überschätzte HVB statt. Eine Minikorrektur dieser für den Wirtschaftsstandort Österreich nachteiligen Entscheidung war der Börsengang der Bank Austria im Jahr 2003. Die Freude währte nur kurz, da die UniCredit unter der Führung des hemmungslosen "Eroberers" Alessandro Profumo die HVB und damit auch die Bank Austria übernahm und 2007 den Squeeze Out, gegen die Interessen des Streubesitzes, durchdrückte. Nach Abgabe des attraktiven und wachstumsintensiven Ostgeschäftes an die italienische Zentrale wurde sogar darüber nachgedacht, das österreichische Privatkundengeschäft an die BAWG-P.S.K. zu verkaufen. Ein Alptraum für viele, ehemalige CA-Kunden! Zuletzt verursachte noch der Versuch Ärger, einen Großteil der Pensionsverpflichtungen der Allgemeinheit "umzuhängen". Die Stadt Wien, früher einflussreicher und mächtiger Bank Austria-Kernaktionär, musste über das Beteiligungsvehikel AVZ einen gigantischen Wertverlust hinnehmen.

Seit 2008 kämpft der Streubesitz im Squeeze Out-Verfahren um eine angemessene Barabfindung. Mit einigen großen Aktionären wurde ein Teilvergleich geschlossen, der den anderen Aktionären trotz der gesetzlich festgelegten Gleichbehandlung ("erga omnes" –Wirkung) vorenthalten und dessen Offenlegung verweigert wird. Anstand, Fairness und Vertrauen sind eigentlich wichtige Säulen im Bankgeschäft oder gibt es Gründe, die die bisherigen juristischen Manöver rechtfertigen? Es besteht jetzt wieder ein Zeitfenster, die verfahrene Geschichte so zu lösen, dass die ohnehin bereits niedrig angesetzten Zukunftshoffnungen nicht noch weiter belastet werden.

Datum: 03.03.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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