Rasinger zu Squeeze Out: Vorschau 2017

2016 wurde mit Austrian Airlines/Lufthansa ein großer, schwieriger Fall zufriedenstellend für beide Seiten nach Jahren der Auseinandersetzung mit Gutachten, Schriftsätzen und hitzigen Diskussionen mit einem Kraftakt gelöst. Mit Jahresbeginn wird die Zusammensetzung des Sachverständigengremiums geändert.

Ärgerlich ist der Fall Constantia Packaging – jetzt Constantia Flexibles - nachdem bekannt wurde, wie One Equity Partner unter der Regie von Hanno Bästlein einen Super-Deal machte, aber mit problematischen Methoden für den Streubesitz eine angemessene Abfindung verhinderte. Die jetzt bekannt gewordenen internen Unterlagen zeigen ein skandalöses Sittenbild: Gier gepaart mit Cleverness und „situationselastischem“ Verhalten, zu dessen Repertoire auch Verschweigen, unwahre Darstellungen und verzerrte Aussagen gehören, haben dazu beigetragen, dass der Übernahmepreis für Christine de Castelbajac und der Abfindungspreis nach unten gedrückt wurden. Obwohl Zinsen von mindestens vier Prozent p.a. weiterlaufen, gibt es noch keine Einsicht bei den neuen Eigentümern, der Wendel-Gruppe. Somit ist es notwendig, weiter geduldig zu sein.

Bank Austria/UniCredit: Nach juristischem Geplänkel, das vom aggressiven Investor Polygon verursacht wurde, ist zu hoffen, dass die geschlossenen Teil-Vergleiche offen gelegt werden, die Grundlage für Vergleichsgespräche unter Beachtung der „erga omnes“-Wirkung sein sollen. Auch die Ergebnisse aus einem Verfahren in München zur Angemessenheit des Bank Austria-Kaufpreises für die HVB an die UniCredit kann aufschlussreich sein und das hiesige Verfahren entscheidend beeinflussen.

Bei Bene liegt ein beim Gericht in St. Pölten nach einer mehrstündigen Verhandlung erarbeiteter Vergleichsvorschlag vor, der von einer breiten Mehrheit unterstützt wird. Die Aufbesserung um 27 Prozent kann den erlittenen Schaden der Langzeit-Aktionäre zwar etwas mildern, aber nicht kompensieren. Das kann von den neuen Eigentümern und Sanierern auch nicht erwartet werden.

Bei ATB ist das Ziel, mindestens eine Nachbesserung von zwanzig Prozent zu erreichen – das ist die obere Kante des Wertes der Sachverständigen. Unangenehm ist, dass die Unternehmensgruppe derzeit signifikante Verluste einfährt und es bereits zu Wechseln in den wichtigsten Managementpositionen kam. Ein langwieriges Verfahren ist angesichts der geringen Stückzahlen nicht im Interesse der Antragsteller.

In der Causa Immoeast - Immofinanz finden derzeit Sondierungsgespräche auf Expertenebene statt, die bis Ende Februar 2017 zu einem Ergebnis und in weiterer Folge zu einem gemeinsamen Beschluss führen sollen. Anleger mit Immoeast-Nachbesserungsrechte können nach dem derzeitigen Stand mit einer geringfügiger Nachbesserung in Cents oder Bruchteilen von Aktien rechnen.

Schlumberger: Derzeit läuft ein Angebot, dass auf Basis der ex-post Ergebnissen gut begründet ist: 26 Euro für eine Stammaktie und 18,50 Euro für eine Vorzugsaktie. Ein Squeeze Out wurde bereits angekündigt. Der IVA empfiehlt, vor allem bei geringen Stückzahlen das Angebot für die Stammaktien anzunehmen. Die Vorzugsaktie bringt eine gut abgesicherte Dividendenrendite von über 3 Prozent. Bei einem Squeeze Out-Verfahren, bei dem vor allem die Zukunft unter dem neuen, kompetenten Kernaktionär Berücksichtigung findet, ist ein höherer Abfindungspreis wahrscheinlich.

Austria Email verlässt die Börse mit einem attraktiven Angebot von 10 Euro. Es sollte vor allem bei geringen Stückzahlen angenommen werden, weil in Zukunft Transaktionen extrem erschwert sind bzw. eine große Abhängigkeit zum Kernaktionär entsteht. Ein Squeeze Out ist aktuell nicht geplant.

Hirsch Servo entwickelt sich unter dem neuen Kernaktionär sehr erfreulich. Vor 2019 ist mit einer Dividende allerdings nicht zu rechnen. Auch ein Squeeze Out ist nicht geplant. Es ist in diesem Fall besonders unangenehm, dass es keine Delisting-Regeln gibt, nach denen der Streubesitz eine faire Behandlung erwarten kann und nicht gänzlich dem Wohlwollen des Hauptaktionärs ausgeliefert ist.

Conwert ist seit kurzem de facto keine österreichische Gesellschaft mehr. VONOVIA hat bereits über 70 Prozent und es ist damit zu rechnen, dass nach Ende der Nachfrist die Beteiligungsquote auf 80 Prozent und mehr steigt. Mittel- bis langfristig ist ein Doppellisting nicht sinnvoll. Daher ist ein Squeeze Out 2018 oder später eine Option. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass das Duo Kerbler/Kowar ein „Come back“ versucht, u.a. dadurch, dass die Wiener Zinshäuser angekauft werden sollen.

Datum: 02.02.2017 Autor: Dr. Wilhelm Rasinger
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