Ausschüttungspolitik und Vergütungen 2015

Es gibt eine permanente Diskussion, wie die Wertschöpfung bzw die Ergebnisse der Unternehmen verteilt werden sollen. Auf der einen Seite fordern die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen einen entsprechenden Anteil ein, auf der anderen Seite will der Vorstand seine Leistung, seinen Einsatz und die Verantwortung ausreichend abgegolten sehen, der Aufsichtsrat will gemäß den gestiegenen Anforderungen entlohnt werden und die Aktionäre erwarten sich eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals und eine Abgeltung des Risikos. Für die Substanzstärkung, das heißt für die Dotierung von Rücklagen soll ebenfalls vorgesorgt werden.em>

Untersuchungsmethode

Die vorliegende Ausarbeitung untersucht 39 Unternehmen des Prime Markets. Es sind Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung, die in diversen Branchen tätig sind. Daher wird auf verzerrende Durchschnittsberechnungen weitgehend verzichtet. Es gibt eher geringe Verzerrungen, weil bei der Zahl der Mitarbeiter entweder der Stand zum Jahresende oder der durchschnittliche Stand des Berichtsjahres veröffentlicht werden bzw bei den Vergütungen die laufenden Zahlungen oder Aufwendungen der jeweiligen Periode dargestellt werden. Auch die Erfassung von Vorteilen aus einem aktienbasierten Prämienprogramm ist wegen unterschiedlicher Darstellungen schwierig. In den folgenden Tabellen werden die jeweiligen Ausschüttungsquoten (Dividende je Aktie/ Ergebnis je Aktie) in Prozent sowie die Bezüge der Vorstände und Aufsichtsräte ergänzt um einige Kennzahlen dargestellt. Die unterschiedliche Gewichtung und Bedeutung zeigt sich, wenn der Ausschüttungsbetrag dem Konzernergebnis in absoluten Zahlen gegenübergestellt wird. Die Ergebnisse der Immobiliengesellschaften werden durch die stark schwankenden Bewertungsergebnisse beeinflusst und sind daher oft nicht Grundlage für die Dividende, die eher am Cashflow oder dem EBITDA bemessen wird. Sonderabschreibungen von aktiviertem EDV-Aufwand und durch Impairment-Tests haben auf die jeweiligen Jahreszahlen einen starken Einfluss.

Ergebnisse

  • 3 von 39 Unternehmen zahlten für 2015 keine Dividende, 4 Unternehmen (OMV, Immofinanz, Schoeller-Bleckmann, Wolford) trotz eines Verlustes eine eher geringe Dividende.
  • Die hohen Verluste der OMV (–1.100 Mio €) und Immofinanz (–388 Mio €) sind überwiegend auf Sonderabschreibungen zurückzuführen.
  • Auffallend ist die hohe Ausschüttungsquote bei Unternehmen mit einem Kernaktionär der öffentlichen Hand: OMV und Post. Insgesamt erhöhte sich die Ausschüttungssumme von 2.005 Mio € um etwas über 10 % auf 2.230 Mio €.
  • Der Personalaufwand je Mitarbeiter ist sehr unterschiedlich und hängt wesentlich von den geschäftlichen Aktivitäten in Niedriglohnländern ab. Den Spitzenwert weist der Verbund mit 107.000 € je Mitarbeiter mit Personal fast ausschließlich in Österreich aus, den niedrigsten Wert weist die AT&S mit 18.000 € aus, die einen hohen Personalstand in China hat. Die Aktionäre erhalten zirka 2 Mrd € als Dividende, das sind im Vergleich zum Personalaufwand etwas weniger als 10 %.
  • Vergütung Vorstand und Aufsichtsrat: Insgesamt haben sich die Kosten für den Vorstand um fast 5 % erhöht. Unschärfen gibt es dadurch, dass es kein einheitliches Schema für einen Vergütungsbericht gibt und daher die Werte der einzelnen Unternehmen nicht exakt vergleichbar sind. Die Lohnnebenkosten (wie Kommunalsteuer, Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds) wurden bei den Vorstandsvergütungen nicht berücksichtigt. Die Kosten des Vorstands machen im Schnitt deutlich weniger als 1 % des Personalaufwands aus. Die Vergütungen für den Aufsichtsrat stiegen um rund 20 % gegenüber dem Vorjahr und betragen zirka 8 % der Vorstandsbezüge.

Schlussbemerkung

Den Unternehmen gelingt – von einigen Ausnahmen abgesehen – eine vernünftige, ausgewogene und nachvollziehbare Dividendenpolitik. Die wirtschaftliche Situation hat sich 2015 moderat gebessert. Die Ausschüttung an die Aktionäre beträgt – mit großen Unterschieden bei den einzelnen Unternehmen – nicht ganz 10 % des Personalaufwands, wobei die Immobiliengesellschaften diese Kennzahl deutlich nach oben drücken.

Datum: 03.11.2015 Autor: IVA-Redaktion
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